Die Mittelstraße:
(the street Mittelstraße)

Die Magistrale ... der Handelsleute: (the trading centre)

Gegründet wurde die Groß-Firma "VOSS Eisenwaren-Großhandlung" für Werkzeuge, Baubeschläge, Stabeisen und landwirtschaftliche Geräte im Jahre 1876. Das imposante Bauwerk wurde im Jahre 1896 errichtet. Die Innentüren sind größtenteils mit geschliffenen Ornament-Glasscheiben verziert, während die Zimmer-Decken mit großflächigen Motiven bemalt wurden. Ebenso die Wandfelder in der Hofdurchfahrt. Leider sind diese in den späteren Jahren entfernt oder übermalt worden.


RECHTS: Dieses Haus in der Mittelstraße 33 wurde von der ehemaligen Familie Voss im Jugendstil erbaut.
In den 1930er Jahren hat hier Otto Voss, der Sohn des Begründers, seine Verkäufe getätigt.
Zu DDR-Zeiten nutzte die KONSUM-Genossenschaft Nauen, die ihren Sitz in der Hertefelder Str. 9 hatte, die Ladenzeile.
Seit den 1990er Jahren wird es wieder von einem genossenschaftlichen Einzelhandel genutzt.



Gründer der Firma VOSS / Founder of the company VOSS.
Das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus der Familie Voß.
Das ehemalige Wohn- und Geschäftshaus der Familie Voß.

Der Sozial-Aspekt ... im Rühlestift: (the donation from honorary citizen with name Rühle)

Das Haus Nummer 20/21 beherbergte den ehemaligen Rühle-Stift.
Der kinderlos im Jahre 1859 verstorbene Wilhelm Friedrich Rühle (1801 - 1859) hatte verfügt, dass sein Vermögen für ein Hospital zum Nutzen älterer Bürger verwendet werden sollte.
Doch es dauerte noch bis 1895, bis das Haus bezogen werden konnte.
An der Stelle seines Geburtshauses entstand dieses Gebäude mit zehn Einraumwohnungen, in die sich alleinstehende Frauen mit einer festen Summe einkaufen konnten und dadurch das Recht erwarben, bis an ihr Lebensende darin mietfrei zu wohnen.
Für den persönlichen Lebensunterhalt musste allerdings jeder selbst sorgen.
Der Bezirkstag Potsdam (DDR) verfügte 1954, dass der Stift aufgehoben sei. Gleichzeitig sicherte man den Bewohnern ein lebenslanges Wohnrecht zu.


Das ehemalige Rühle-Stift in der Mittelstraße. / The former Rühle endowment in Mittelstrasse.
Das ehemalige Rühle-Stift in der Mittelstraße. / The former Rühle endowment in Mittelstrasse.
Die Tafelinschrift in der Hausmitte lautet: Stadtältester Friedrich Rühle - Bürger - Hospital. 1895

Der Baustil-Mix ...im sogenannten Barz'schen Haus in der Mittelstr. 12-16, Ecke Martin-Lutter-Platz:

Hier ein Turm mit einem barocken Hutaufsatz, da ein Holzgiebel im englischen Landhausstil, hin und wieder ein paar Säulen, Fachwerk und Treppengiebel. Das gesamte Haus ist ein Baustil-Mix. Und damit trotzdem eine gewise Einheitlichkeit entsteht, hat der Nauener Baumeister Kluge aus der Dammstraße 8 die Fensterfronten auf den Geschossen ziemlich einheitlich gestaltet. Die umlaufende Schaufensterfront im Erdgeschoss verstärkt noch den Eindruck. Schließlich gibt die einheitliche Färbung dem Bauwerk einen fröhlichen und gesamtheitlichen Eindruck.

Die Familie Barz legte von vornherein Wert auf Repräsentation Ihres Wohn- und Geschäftshauses und betrieb am Anfang eine Nähmaschinen- und Fahrradhandlung im Hause. Die restlichen Geschäfte wurden vermietet.
Nach dem zweiten Weltkrieg zog hier unter anderem die staatliche Handelsorganisation (HO) ein.
Die damaligen Eigentümer zogen in die USA und im Jahre 2004 besuchte der letzte noch lebende Nachfahre, der das Haus persönlich kannte, sein Elternhaus in Nauen und war sehr angetan von der sehr guten Erhaltung des Bauwerkes, so dass er eine gewisse Geldsumme zur weiteren Unterhaltung hier ließ.


Ansicht vom Lutherplatz auf den Erker nach dem englischen Landhausstil.
Ansicht vom Lutherplatz auf den Erker nach dem englischen Landhausstil.
Die verschiedenen Baustile setzen sich gegenüber der Marktstraße mit einem gotischen Treppengiebel fort.
Die verschiedenen Baustile setzen sich gegenüber der Marktstraße mit einem gotischen Treppengiebel fort.

Das repräsentative Gebäude wurde im  1912 eingeweiht.
Es ist bis heute das architektonisch bemerkenswerteste und auch
schönste Gebäude der Stadt geblieben.
Foto: Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“
des Landes Brandenburg


Blick in die Mittelstraße um 1890 in Richtung Marktstraße.
Blick in die Mittelstraße um 1890 in Richtung Marktstraße. (Ein Klick vergrößert die Ansicht!)

Die Werbeinschrift "Emil Hirsch ..." bezieht sich auf das Gebäude der Familie VOSS. Hirsch baute später (um 1909) das Warenhaus in der Mittelstraße 37. In der DDR war es das "Magnet"-Kaufhaus der HO Handelsorganisation.

Das Kaufhaus gehörte in den 1920er und 1930er Jahren zu den beliebtesten Einkaufsstätten der Nauener Altstadt. Aufgrund der antisemitischen Verfolgung im Nationalsozialismus (darunter die Novemberpogrome und die "Arisierung") wurde die jüdische Familie Homburger/Hirsch gezwungen, das Geschäft aufzugeben. In die Räumlichkeiten zogen zeitweise ein Kaiser's Kaffeegeschäft sowie die NSDAP-Kreisleitung ein.